Patronat: zweiter Patron des Bistums St. Gallen (Schweiz)
Otmar wurde um 690 geboren und gehörte vermutlich einer vornehmen alemannischen Familie an. Nach dem Besuch der Domschule in Chur versah er ebendort oder möglicherweise in Remüs (heute Ramosch) den priesterlichen Dienst an einer Florinuskirche, bis er 719 berufen wurde, einer Gemeinde von Mönchen am Grab des Heiligen Gallus vorzustehen. Otmar führte in der Einsiedelei die Benediktinerregeln ein und konnte dank der Schenkungen alemannischer Adeliger das Kloster vergrößern. Zu den Hauptanliegen des Abtes gehörten die Armenfürsorge und die Krankenpflege; in der Nähe des Klosters erbaute er das erste Siechenhaus für Aussätzige in der Schweiz. Otmar selbst lebte in Armut und Enthaltsamkeit und war aufgrund seiner gelebten christlichen Nächstenliebe bei den Menschen sehr beliebt.
Schließlich geriet das Kloster, für dessen Unabhängigkeit Otmar stets eintrat, in die politischen Machtkämpfe zwischen Franken und Alemannen. Im Jahr 759 wurde der streitbare Abt verleumdet und eines Sittlichkeitsverbrechens angeklagt. Otmar wurde auf die Rheininsel Werd verbannt, wo er an den Folgen der Misshandlungen während seiner Gefangenschaft am 16. November 759 verstarb.
Etwa ein Jahrzehnt später holten Mönche seinen unversehrten Leichnam nach St. Gallen. Der Legende nach wurde eine Weinflasche, die sie bei sich hatten, nie leer, und ihr Boot blieb bei der Überfahrt von einem heftigen Sturm verschont.
864 erfolgte die Heiligsprechung Otmars durch den Konstanzer Bischof Salomon I. Die Reliquien des Heiligen wurden 867 in der ihm zu Ehren benannten Stiftskirche St. Gallus und Otmar beigesetzt.
Darstellung: als Benediktinerabt im schwarzen Habit
Attribute: Stab; Weinfass

Quelle: Herder-Verlag